Vielfältig das Essen und die Landschaft, ideenreich und vielseitig die Menschen.

 

Die Hecke

Die Hecke als Biotop

Hecken sind nicht zufällig, wild aufgegangene Pflanzen, sondern Ergebnis der jeweiligen bäuerlichen Kultur. Die Hecke unterstützte ursprünglich die Landnutzung durch den Bauern. Sie verhinderte Erosion, brachte Futter fürs Vieh aber auch Holz und Früchte für den Menschen. Ihr Wesen und ihre Artenvielfalt steht immer im Dialog mit der Nutzung der sie umgebenden Felder. Nur durch die Nutzung der Hecke und der sie umgebenden Felder ergibt sich das landschaftsprägende Kulturland. Da dieser Nutzen in der modernen Landwirtschaft vorübergehend nicht mehr erkannt wird, verschwinden auch die Hecken. In jüngster Zeit wird aber die Notwendigkeit immer offensichtlicher (Erosion, Artenschwund, sinkende Fruchtbarkeit der Böden). Der Mensch dessen Sein immer ein Produkt seines Individuums im Dialog mit seiner Umwelt ist, bemerkt intuitiv das Fehlen eines wesentlichen Elementes in seiner Umwelt.

Die Hecke als Klimafaktor

Im Sommer von Westen im Winter von Osten pfeift mitunter ein heftiger Wind über das Hohenloher Land. Da ist es naheliegend einen Windschutz in Nord-Südrichtung aufzubauen. Eine Hecke aus Ahorn, Hainbuche, Hartriegel, Weißdorn, Robinie und Haselnuss leisten da gute Dienste. Sie schützen vor Austrocknung, befestigen Hänge bei starken Regengüssen. Sie beeinflussen das Kleinklima positiv, sodass auch empfindlichere Pflanzen in ihrem Umfeld gedeihen.



Die Hecke als Lebensraum

Wird die Hecke gepflegt und auf deren Zusammensetzung geachtet entsteht zusammen mit einem biologisch bewirtschafteten Feld und einem Staudenstreifen ein Lebensraum für viele Arten. Sowohl als Nist- als auch Nährgehölz dienen z.B. Haselnuss, Schlehdorn, Wildrose und Holunder. Der Neuntöter und Würger findet auch in einer offenen Heckenlandschaft wieder einen Lebensraum ebenso wie zahlreiche Schlupfwespenarten. Diese fungieren zugleich als eine natürliche Schädlingsbekämpfung für die umliegenden Felder.

Die Hecke als Wirtschaftsfaktor

Für die Entstehung der Heckenlandschaft ausschlaggebend war jedoch deren Nutzen für den Menschen. Vielerlei Früchte, Brenn- und Konstruktionsholz wurden aus der Hecke gewonnen. Schlehen, Kornelkirsche, Felsenbirne und Hagebutten eignen sich für Marmelade und Kompott. Haselnuss als schnellwachsendes Brennholz für den Sommer; Weiden um Körbe zu flechten und der Weißdorn ergibt einen langlebigen Stiel für die Hacke.

Die Hecke als landschaftsprägendes Element

Eine vielfältige Landschaft hat sich in der Kultur und den Menschen Hohenlohes abgebildet. Vielfältig das Essen und die Landschaft, ideenreich und vielseitig die Menschen.

Die Hecke philosophisch betrachtet

Faszinierend, wie die filigranen Verästelungen der zweijährigen Haselnusshecke die leichten Kräfte der Sonne und des Himmels zwischen Erde und Himmel hält. Das Leben unzähliger Tiere wird durch diese Kräfte strukturiert. Die Vögel, die sonst in den Himmel gezogen würden, werden im feinen Geäst gehalten. Die Käfer, die sonst langsam durch die Schwere der Erde ein leichtes Beute wären, wuseln scheinbar schwerelos in ungeahnte Höhen. Selbst die Ameisen wölben ihren Bau aus der Erde heraus, angezogen von diesen Bündeln der leichten Kraft. 
Auch der Beobachtende wird von der Leichtigkeit ihrer Form angehoben, ohne davonzufliegen, von ihrem Wesen inspiriert, ohne zu entgleiten. Endlos schlängelt sich ihr Saum entlang von Wäldern und Wegen ohne nach beiden Seiten einen abrupten Übergang zu bilden.
Hecken geschaffen durch die Pflege des Menschen sind auch ein äußeres Abbild der jeweiligen Kultur. Ihr Wesen erspürend, pflegten die Menschen die Hecken über Jahrhunderte und hatten davon durchaus einen Nutzen. Sie schützten vor Wind und Austrocknung, brachte Feuer- und Bauholz, Futter, Beeren, Früchte und Heilpflanzen. Doch nicht nur der materielle Nutzen ist der Grund für die Pflege gewesen. Über die Arbeit mit der Hecke kam ihr Wesen, diese Leichtigkeit und Inspiration, mit den Menschen in Berührung und berührte ihn. Heute, wachsen die Hecken weiter. Ohne Schnitt sind sie zu Wald geworden. Reduziert in ihrer Vielfalt, verschwindet das leichte und inspirierende in der Landschaft. Grobe Stämme mit starken Wurzeln reißen den Lebensraum an sich. Als wertlos erachtet, werden sie aus der Landschaft eliminiert. Die Landschaft als Abbild der Kultur, die Kultur als Abbild des Einzelnen. Selbstähnlichkeit als Möglichkeit des Erkennens.

Kulturland schützt traditionelle Pflanzen

Im Rahmen des Kulturland-Projektes werden nur alte, standorttypische, robuste Hochstammsorten und Heckenpflanzen ausgewählt.

Du kannst deine Heckenpflanze mitbringen, falls diese in das Gesamtkonzept der Bepflanzung passt. Dazu zählen z.B. Haselnuss, Weißdorn, Schlehdorn, Hartriegel, Linguster, Kornelkirsche, Felsenbirne, Heckenkirsche, Wildrosen, Weiden, Vogelkirsche, Elsbeere, Stachelbeere, Hainbuche und Ahorn.