Pflanz einen Baum; und kannst Du auch nicht ahnen, wer einst in seinem Schatten tanzt, bedenke, Freund: Es haben unsere Ahnen, ehe sie Dich kannten, auch für Dich gepflanzt.



Die Streuobstwiese

Historisches:

In Deutschland tauchten die Streuobstwiesen zum ersten Mal im Mittelalter auf, nachdem sich eine ortsfeste Landwirtschaft durchgesetzt hatte. Um die Dörfer entstanden Obstgärten, die mitgeholfen haben, das Überleben der Menschen zu sichern. Zudem erwiesen sie sich als Witterungsschutz.
 Es lohnte sich, die Bäume zu pflegen.

 

Zunächst wurde unter den Bäumen weiterhin Ackerbau betrieben, später dienten die Flächen unter den Bäumen der Grünlandnutzung. Im 19. und 20. Jahrhundert erreichte der Streuobstanbau seinen Höhepunkt. Tausende von Obstsorten wurden kultiviert. Jede Region hatte speziell an die jeweiligen Standorte angepasste Sorten.

 Ab 1945 verdrängten moderne Produktionsverfahren, Kostendruck und ausländische Produzenten die Streuobstwiesen. Es lohnte sich nicht mehr, die Bäume zu pflegen.

 

Mit EG-Rodungsprämien verschwanden große Streuobstbestände und damit eine unglaubliche Vielfalt an Tier- und Pflanzenarten. Die Restbestände, die der Bauboom um die Städte und Dörfer übriggelassen hat, sind in der Regel überaltert.




Heutiger Zustand:

Heutzutage wird Obst, das früher aus Streuobstwiesen gewonnen wurde, in riesigen, 
sortenarmen Monokulturen produziert. Durch Spritzmittel und Düngung auf Normgröße 
getrimmt, schmeckt der Apfel nach Struktur und nicht nach Inhalt. Kein Wunder also, dass beispielsweise viele  Kinder Äpfel gar nicht mehr mögen.

 

Aktuelle Entwicklung:

Erst seit etwa 10 Jahren findet es ein Umdenken statt! Warum?

Man hat mittlerweile wieder den unglaublich vielfältigen Nutzen dieses Lebensraumes für 
Mensch und Tier erkannt. Heute spüren die Menschen instinktiv, dass die Streuobstwiesen, als eine Quelle der Vielfalt, auch unsere Zukunft sichern.
 Aus den unterschiedlichsten Gründen lohnt es sich wieder diesen Lebensraum zu pflegen.

 

Die Streuobstwiese als Lebensraum

Streuobstwiesen sind ein einzigartiger Lebens- und Erlebnisraum, ein prägendes Landschaftselement, ein wertvolles Genreservoir und sie stellen einen  Beitrag zu einer gesunden, umweltgerechten Ernährung dar. Der Einsatz für Obstwiesen lohnt sich, insbesondere im Sinne von Zukunftssicherung und nachhaltiger Entwicklung!

 



Streuobstwiesen sind ein Lebensraum, der ohne die Pflege durch den Menschen nicht überleben kann. Obstbäume sind keine Wildpflanzen, die man sich selbst überlässt. Sie stellen ein Produkt der menschlichen Kultur dar. Und sie wurden und werden angepflanzt, um Obst zu erzeugen, das von Ort zu Ort unterschiedlich sein kann, und das in seinen Ausprägungen eine Vielfalt hervorgebracht hat, die kaum zu erfassen und zu beschreiben ist.


Streuobstwiesen sind zudem ein artenreicher Lebensraum. Allein die Bäume können bis zu 1000 verschiedenen Arten von wirbellosen Tieren Lebensraum bieten. Blüten, Blätter und Holz sind Nahrungsgrundlage besonders für Insekten. Obstwiesen sind als Rückzugsraum für die Vogelwelt von großer Bedeutung. Vom Höhlenreichtum profitieren auch viele Säugetiere wie z.B. Haselmaus und Siebenschläfer. Fledermäuse nutzen Obstwiesen als Jagdrevier und Baumhöhlen als Unterschlupf. Wesentlich zur Artenvielfalt kann das Grünland beitragen. In extensiv gepflegten Wiesen lassen sich bis zu zweitausend Tierarten, besonders Insekten nachweisen.

 

Kein Schutz ohne Nutzung

Tafelobst: Das Obst kann selbst eingelagert und verbraucht werden. Wo wird man in absehbarer Zukunft noch Obst von dieser Qualität erhalten?

Apfelsaft: Ein Qualitätsprodukt entsteht durch eine Sortenmischung vieler alter Kultursorten. In der nahen Kelterei gepresst, ist der Saft eine Quelle der Gesundheit und des vorzüglichen Geschmackes.

Erholungsnutzen: Obstwiesen sind besonders attraktive, prägende Landschaftselemente. Ein Naturerlebnis ist die Obstbaumblüte im Frühjahr oder die Apfelernte im Herbst.

Kulturland schützt traditionelle Pflanzen

Im Rahmen des Kulturland-Projektes werden nur alte, standorttypische, robuste Hochstammsorten und Heckenpflanzen ausgewählt.

Falls jemand eine alte Sorte kennt, die auf dem Standort wächst, so kann diese bei uns angepflanzt werden. Außerdem stellen wir kostenlose Kleinflächen zur Aufzucht alter oder ausgefallener Sorten zur Verfügung.

Dazu zählen beispielsweise:

Tafelobst
(Brettacher, Jakob Fischer, Öhringer Blutstreifling, Roter Boskop, Winterrambour, Zabergäurenette und Gewürzluike), Mostobst (Rheinischer Bohnapfel, Bittenfelder und Heslacher Luiken), Birnen (Pastorenbirne, Stuttgarter Geishirtlein, Gute Graue, Schweizer Wasserbirne), Kirschen (Hedelfinger, Schneider's Späte Knorpelkirsche) sowie Zwetschgen, Quitten und Mirabellen.